Physiotherapiekurs auf Klassenfahrt (Januar 2010)

Paris? Mailand? Köln? Braunshausen?

Wo soll die Klassenfahrt nur hin gehen? Natürlich nach Braunshausen! Was uns dorthin verschlagen hat? Neben einigen Vorschlägen, wie beispielsweise ein Tag in Köln mit Museum oder auch ein Tag in Odert in der Jugendherberge, fand sich auch eine Tagestour mit Abenteuer- und Kooperationsspielen und einem Kletterangebot plus Übernachtung in Braunshausen/Kell am See auf unserer Liste. Schließlich entschied sich die Klasse für letzteren Vorschlag und war somit bereit, ein kleines Experiment zu wagen und sich auf die Spuren der Erlebnispädagogik zu begeben. Was uns erwartet? Niemand hatte konkrete Vorstellungen. Berufen konnten wir uns nur auf die Internetseite des EPZ-Saar, die auf solche Aktionsprogramme mit unterschiedlichen Zielgruppen spezialisiert sind. Auf der Seite ließ sich lesen, dass ihre Programme unter anderem Folgendes fördern sollen:
  • Gruppenerlebnisse und Gemeinschaftsgefühl
  • Vertrauen in andere
  • Grenzerfahrungen und Selbstüberwindung
  • Erfolgserlebnisse
Kurz gesagt: Für eine Klasse, die erst seit 3 Monaten zusammengewürfelt ist, ist dies die optimale Zielsetzung einer solchen Klassenfahrt! Soweit die Theorie! Ob dies in der Praxis auch so umgesetzt werden kann (immerhin haben wir einen Altersdurchschnitt von ca. 20 Jahren) mussten wir also noch herausfinden. Denn Spiele können oft „flach“, langweilig und dem Alter nicht angepasst sein. Da hilft nur volles Vertrauen in die Gruppenleiter des EPZ-Saar (im Nachhinein zurecht!).  Bald war es also soweit, der 18. Januar rückte immer näher. Schlimmste Befürchtungen waren:
  • Schneechaos
  • Chaos (Organisation, Jugendherberge, ...)
  • Grüppchenbildung, angespanntes Klima
  • kein Zusammenhalt
  • Langeweile

Erwartungen an den Ausflug:
  • Spass, Lachen
  • Zusammenhalt
  • Besser kennen lernen, jmd. von einer anderen Seite  kennen lernen
  • Entspannte gelassene Atmosphäre 
Noch bevor wir in Braunshausen angekommen waren, hatte sich die erste schlimme Befürchtung schon bestätigt: Schneechaos (und Rheinland-Pfalz hatte kein Streusalz mehr). Der Schnee wurde mehr und mehr je näher wir unserem Zielort, einer Turnhalle im wunderschönen Saarland, näher kamen. Dennoch trafen alle, oh Wunder, pünktlich zur vereinbarten Zeit ein. Nun konnte es endlich los gehen. Nachdem wir uns umgezogen hatten, konnten wir es kaum erwarten, endlich einen Blick in die vorbereitete Halle zu werfen. Das, was wir dort aufgebaut sahen, versprach spannend zu werden (auch wenn sich niemand vorstellen konnte, was nun im Einzelnen auf uns zukommen sollte). Seile, Kästen, verschiedenste Hindernisse und nicht zu vergessen die Kletterwand weckten nun auch bei den letzten von uns Spieltrieb und Bewegungsdrang ...

Ganz zu Anfang fanden wir uns in einem Sitzkreis zusammen im Sinne einer Vorstellungsrunde von Teamern und Teilnehmern, in der in einem 2. Schritt unsere Erwartungen, Ängste und Spielregeln für die bevorstehenden Aufgaben erarbeitet wurden. Festgehalten wurden diese Regeln in Form eines Vertrages, den sowohl wir als auch unsere Anleiter unterschreiben mussten. Nun fing die Geschichte an spannend zu werden. Die 1. Herausforderung, das Warm-Up, konnte beginnen. SEILSPRINGEN stand jetzt auf der Tagesordnung. Anfangs hielt sich die Begeisterung etwas in Grenzen, doch mit jedem einzelnen Seilschwung stieg der Unterhaltungswert und der Spaß an der gemeinsamen Sache. Wenn man erst einmal versuchen muss mit 23 Leuten gleichzeitig, mit einem Schwung, unter dem Seil durchzulaufen, kann dies eine ganz schöne Herausforderung darstellen. Sinn der Sache war, einen ersten Überblick über Teamgeist und Kommunikation der Gruppe gewinnen zu können. Die 2. Herausforderung verlangte eine Reise mit einem Floß, auf einem reißenden Strom voller Piranhas, den wir als Team überwinden mussten. Mit anderen Worten: Es mussten sich 23 Leute mit 14 Flößen durch einen Parcours befördern, ohne dabei die Hände loszulassen und ohne von den Piranhas gefressen zu werden. Eine recht spannende, abenteuerliche und vor allem sehr lustige Aufgabe.   Höhepunkt des Vormittages war Herausforderung Nr. 3, unser aller Konzentration und Teamfähigkeit wurde nun auf die Probe gestellt. 3 Bänke wurden in Form eines Dreieckes aufgestellt. Um das ganze zu erschweren, waren sie mit der Sitzfläche nach unten gedreht, sodass man auf der schmalen Seite der Bänke stehen musste. Zuerst einmal mussten wir uns alle in beliebiger Reihenfolge eng nebeneinander auf der Bank positionieren. Ziel dieser Übung war es, nach kurzer Zeit der Absprache sich nach den Geburtstagen (Januar-Dezember) auf den Bänken zu ordnen ohne dabei den Boden zu berühren und vor allem ohne zu sprechen. Körpersprache war nun also gefragt. Berührt jemand doch entgegen aller Erwartungen den Boden, wird dieser von den Teamern an eine andere beliebige Stelle zurückversetzt und muss sich nun neu orientieren. Obwohl wir anfangs große Zweifel hatten diese Aufgabe gut zu überstehen, war die Freude um so größer als wir diese mit Bravour bewältigt hatten. Es war ein tolles Gefühl zu sehen und zu spüren, wie sehr wie doch in dieser kurzen Zeit (seit Ausbildungsbeginn) zu einer funktionierenden Gruppe zusammen gewachsen sind. Auch wenn wir nicht unsere Sprache zur Kommunikation benutzten durften, fanden wir gemeinsam eine andere Art der Verständigung um dieses Problem zu lösen. Mit Händen und Füßen und den tollsten Mimiken, verständigten wir uns um Kopf und Kragen. Somit konnten wir unseren Mund währenddessen doch nicht immer halten, denn unser Lachen dann auch noch zu unterdrücken, wäre einfach zu viel verlangt gewesen.   Nach kurzer, sehr nahrhafter Mittagspause ging es nun mit vollem Magen zum anstrengenden Teil des Tages über. Das Bezwingen der Kletterwand stand nun auf der Tagesordnung. Da dies nicht ohne kurze Einweisung in Material und Sicherungstechnik (Knotenkunde etc.) nicht möglich war, begann unser Nachmittag mit einer kleinen aber auch harmlosen Theorieeinheit. Nach ein bisschen Klettergewöhnung, Klettern in der Horizontalen, konnten wir uns endlich mit den Höhen und Tücken der Kletterwand vertraut machen. Dass dies Spaß machen würde wussten wir. Dass dies so anstrengend werden würde, dass wir am nächsten Tag jeden kleinsten Muskel unseres Körpers spüren würden, wussten wir erst einen Tag später. Wir fanden uns in 4er-Teams zusammen, 1 Kletterer und 3 Leute die das Bodenteam bilden und für die Sicherheit des Kletterers verantwortlich sind. Wieder waren wir auf uns, als Team, angewiesen und mussten lernen einander zu vertrauen. Während einer der Gruppe in luftigen Höhen unterwegs war, musste der Rest der Gruppe konzentriert bei der Sache sein und demjenigen kompletten Rückhalt und Sicherheit vermitteln. Auch liegt es an der Unterstützung bzw. Motivationsfähigkeit der Gruppe, ob man als Kletterer über seine eigenen Grenzen hinauswachsen kann. Zum Abschluss des Programms noch ein kleines Reaktionsspiel und eine kleine Feedbackrunde und da war unser kleines Abenteuer in der Braunshausener Turnhalle auch schon zu Ende und wir um einige Erfahrungen reicher. 

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass diese anfangs so dubiosen und fraglichen Spiele bei allen Teilnehmern einen wirklichen Aha- Effekt hinterlassen haben. Wir haben viel über uns als Team gelernt. Vor allem, dass wir einander vertrauen können, wenn es darauf ankommt und dass wir auf einem sehr guten Weg sind als ein Ganzes zusammenzuwachsen. Dennoch ist dies schwer mit Worten zu beschreiben, denn wirklich glauben kann man es erst, wenn man es miterlebt hat. Das Abendprogramm fand nun in der Jugendherberge in Kell statt, welches an diesem Abend eher an das Winter-Wonder-Land erinnerte. Dort angekommen wurde zuerst einmal zu Abend gegessen. Womit wir allerdings nicht rechneten, war der Küchen- und Spüldienst nach unserem köstlichen 3-Gang Menü. Zeit für Diskussionen gab es keine, denn wer Küchenchefin Hilde kennt, weiß mit ihr ist nicht zu spaßen und jegliche Diskussion wird im Keim erstickt. Aber wenn wir etwas an diesem Tag gelernt haben, dann Teamwork! Aus unserem Küchen- und Spüldienst wurde kurzer Hand eine kleine Küchengaudi und alle hatten ihren Spaß (auch Hilde, als wir dann fertig waren). Die nachfolgende Bad-taste-Party bildete somit den krönenden Abschluss eines langen Tages. Auch ein Kicker Turnier, voller Emotion und Aggression, war Teil des abendlichen Unterhaltungsprogramms. Die Atmosphäre war entspannt und der Lernstress für kurze Zeit einfach mal vergessen. Nach einer kurzen Nacht wurde dann gefrühstückt und es kam zu einer kurzen Feedbackrunde. Kurz, aufgrund des starken Schneefalls über Nacht. Wir wurden früher entlassen, damit die Wahrscheinlichkeit größer war, heil zu hause anzukommen. Die Heimfahrt glich eher einer Schlitterparty und wir waren heilfroh, als wir endlich wieder gesund und munter zu hause angekommen waren. Somit war unsere Klassenfahrt auch schon zu Ende. Dennoch konnten wir viel aus diesen Tagen mitnehmen. Wir haben gelernt, dass wir ein gutes Team sind und füreinander da sind wenn es hart auf hart kommt. Einfach eine tolle Erfahrung:

Feedback der Klasse:
 
  • „Wann fahren wir noch mal?“
  • Erwartungen erfüllt/ übertroffen
  • Muskelkater
  • Klassenzusammenhalt verbessert 
  • Tolle Klassenfahrt mit Wiederholungsbedarf 
  • Wir sind ein.....TEAM!

Das spricht doch für sich, oder?
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