Unsere Grundsätze und Leitlinen

Unser Selbstverständnis

  • In der Geschichte der Menschheit gibt es kein spannungsreicheres Buch als die Bibel, die den Menschen in seinem größten Glück, aber auch in seinem größten Unglück zeichnet.
    Am Beginn der Menschheitsgeschichte im Alten Testament steht der Mensch zunächst in höchster Vollendung, Harmonie und Glück. Sehr bald aber folgten Hochmut, Missgunst und Streit: Kain erschlägt seinen Bruder Abel.
    Im Neuen Testament wird Jesus durch seinen Jünger Judas verraten und von seinem Jünger Petrus verleugnet. Dennoch bedeutet das Evangelium die „Frohe Botschaft”, denn sie sagt uns zugleich, dass wir getrost und voller Hoffnung
    sein dürfen. Der Tod Christi führt zur Auferstehung, zu Glück und Freude. In seinem Tod hat Christus unsere Schuld auf sich genommen und damit auch unseren Tod überwunden. Hierdurch hat er uns Anteil an seinem Glück und seiner Freude gegeben.

  • Wir wissen um unsere Schwächen und Unzulänglichkeiten. Wir kennen die Spannung zwischen unserem Auftrag und seiner Verwirklichung. Dennoch: Gerade die Bibel sagt allen Menschen, dass wir froh und zuversichtlich an unsere Aufgabe herangehen dürfen.
    Der Mensch ist ein Geschöpf Gottes, wir sind kein Zufallsprodukt, sondern von Gott gewollt und geliebt, so wie wir sind. Gott hat mit jedem von uns etwas vor. Wir dürfen unsere Schwächen nicht als Ausrede vor uns her tragen. Petrus, der versagt hat, wird der Fels, auf dem die Kirche erbaut wird.
    Es ist Aufgabe aller überzeugten Christen in unseren Reihen, andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die aus dem Glauben kommende Freude und Zuversicht immer wieder spüren zu lassen.
    Es ist unser aller Aufgabe, den Menschen, für die wir arbeiten, froh und zuversichtlich gegenüberzutreten, weil es schön ist, mit Menschen für Menschen zu arbeiten. Wir werden Traurigen und Verzweifelten so besser helfen. Aus der Freude an unserer Arbeit werden wir auch die Kraft schöpfen, Sterbende so gut wie möglich zu begleiten.

  • Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland sagt in seinem Ersten Artikel: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.”
    Wir wissen, dass die Würde des Menschen Tag für Tag in vielen Teilen der Welt mit Füßen getreten wird. Gerade deshalb müssen wir mit der Würde der Menschen, für die wir da sind und arbeiten, so sorgsam wie möglich umgehen.
    Wir haben Ehrfurcht vor dem Leben in allen seinen Phasen und allen Erscheinungsformen. Jeder Mensch, jedes Leben ist von Gott gewollt und erfährt hierdurch seine eigene tiefste Würde. Wir achten die Patientinnen und Patienten, die mit uns lebenden Heimbewohnerinnen und Heimbewohner und die bei uns tätigen Werkstattmitarbeiter mit Beeinträchtigung, unabhängig von Religion, Hautfarbe, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, gesellschaftlicher Stellung oder beruflichem Erfolg. Dies gilt auch für die Kinder in unseren Kindertagesstätten.

  • Es geht immer um den ganzen Menschen. Auch wenn in unseren Krankenhäusern und Einrichtungen der Psychiatrie, der sozialen und beruflichen Rehabilitation und der Altenhilfe in vielen Fällen schnell und in aller Regel auch ohne jede Komplikation geholfen werden kann, stellen wir uns immer wieder der Verpflichtung, nicht nur den aktuellen Befund, sondern den Menschen zu sehen, der zu uns gekommen ist. Wir wissen: Ganzheitliche Zuwendung ist die größte Herausforderung, vor der wir stehen. Sie setzt innere Bereitschaft voraus, sie braucht Zeit, Zeit bedeutet Kosten. Dennoch: Wir würden unseren Auftrag verfehlen, würden wir uns dieser Heraus-forderung nicht stellen.

  • Die Weltgesundheitsorganisation definiert Gesundheit als körperliches, geistiges, psychisches und soziales Wohlbefinden. Glücklich, wer dies von sich und von dem man dies begründet sagen kann! Diese Definition ist zugleich gefährlich, da sie dazu verleiten kann, den Wert des Lebens allein an solchen Kriterien zu messen. Leben kann trotz Krankheit und Behinderung als sinnvoll erfahren werden; auch leidende, kranke, alte und behinderte Menschen haben das Recht auf ein menschenwürdiges Leben und die Chance der Erfahrung von Glück. Dazu beizutragen ist für uns alle, vor allem aber für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unseren Heimen und Werkstätten, eine besondere Verpflichtung.

  • Unser Auftrag und unser Selbstverständnis beziehen alle, die Familien, die Angehörigen, ja alle Besucher mit ein. Es ist wichtig, dass sie etwas von dem Geist spüren, an dem wir arbeiten, dass wir uns für sie Zeit nehmen, wenn sie auf uns zukommen und mit uns sprechen wollen.

  • Sterben ist Teil des Lebens. Wir begleiten Sterbende und deren Angehörige so gut wie möglich und unterstützen die Krankenhausseelsorge.
    Wir respektieren andere religiöse Überzeugungen. Für unsere Hilfe ist völlig unerheblich, ob eine Patientin oder ein Patient Christ ist oder nicht.

  • Diesen großen Anforderungen können wir nur gerecht werden, wenn wir uns immer wieder bemühen, so gut wie möglich zu sein. Fachkompetenz ist für uns unverzichtbare Grundlage. Sie zu vermitteln ist einerseits ständige Aufgabe des Trägers; sich Fachkompetenz zu erarbeiten und immer wieder aufzufrischen ist andererseits eine selbstverständliche Bringschuld aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

  • In allen unseren Häusern hat Ausbildung eine zentrale Bedeutung. Es geht uns dabei natürlich zunächst einmal um qualifizierten Nachwuchs für uns selbst, um die Vermittlung von Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnissen. Es geht uns aller-dings um mehr: Wir wollen in der Ausbildung auch etwas vom Klima, der Atmo-s-phäre, dem Geist unserer Häuser vermitteln. Wenn bei uns Ausgebildete später woanders arbeiten und ein Stück von dem mitnehmen und weitertragen, was sie bei uns erlebt und gelernt haben, freuen wir uns darüber.

  • In allen unseren Arbeitsbereichen arbeiten wir auf der Grundlage der Erkenntnisse und Errungenschaften der Wissenschaft. Wir stellen uns aber auch der Frage, wie weit die Möglichkeiten der Medizin im Einzelfall dem Menschen, vor allem Menschen in ihrer letzten Lebensphase, dienen. Wie alle Menschen können wir nicht immer alles, was wir gerne möchten. Wir dürfen aber auch nicht immer alles, was wir können. Wir müssen unsere Überzeugungen auch gegenüber Angehörigen vertreten, wenn sie auf Maßnahmen bestehen, die Leben nur künstlich und unter menschenunwürdigen Umständen verlängern. Die medizinische Ethik ist vor dem Hintergrund unseres Glaubens eine große Herausforderung. Im Dialog, auch mit Dritten, wollen wir zu ihrer Weiterentwicklung beitragen und unsere eigenen Überzeugungen immer wieder auf den Prüfstand stellen. Wir lehnen jede aktive Sterbehilfe ab; wir achten darauf, dass Menschen in Würde sterben können.

  • Ein altes Sprichwort sagt: „Umgang ist das halbe Leben”.
    Je besser der Umgang untereinander, je besser und entspannter das Klima, um so mehr macht die Arbeit allen Beteiligten Spaß und umso wohler fühlen sich Patienten, Heimbewohner sowie die Werkstattmitarbeiter mit Beeinträchtigung. So muss es z.B. für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unseren Einrichtungen selbstverständlich sein, dass wir uns untereinander und dass wir Dritte grüßen.

    Fragen des Umgangs untereinander gewinnen für uns wachsende Bedeutung. Wir stellen uns gegenseitiger Kritik. Wir sind nicht nur offen, sondern auch dankbar für Kritik und Anregungen. Wenn wir einmal gelobt werden, sind wir dafür dankbar.
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