Von den „best agern“ keine Spur – jedenfalls nicht, wenn man den am 31. August zum zweiten Mal veröffentlichten Bericht des Spitzenverbandes der Medizinischen Dienste der Krankenkassen (MDS) liest. Demnach wird fast jeder zehnte Heimbewohner nicht ausreichend versorgt und auch in der Pflege zu Hause zeigen sich in jedem zwanzigsten Fall gravierende Mängel. Erschreckend auch: Die menschenunwürdigen Zustände in Deutschlands Altenheimen werden nicht zum ersten Mal angemahnt. Doch geändert hat sich, so der aktuelle MDS Bericht, im Verhältnis zu 2003 nur wenig.
Über 400 Bewohnerinnen und Bewohner werden in den 4 Einrichtungen des Barmherzige Brüder Trier e. V. im Saarland und in Rheinland-Pfalz betreut. Wir fragten Günter Mosen, verantwortliches Vorstandsmitglied, welche Konsequenzen dieser Bericht für den BBT e. V. hat:
Günter Mosen
|
Nein. Auch wenn ich mir wünsche, dass unseren Mitarbeitenden in den Einrichtungen mehr Zeit für die Pflege sowie für das persönliches Gespräch und weniger für die sehr aufwändigen und vorgeschriebenen Dokumentationen bliebe. Denn nicht alle Vorschriften nützen den Bewohnern: Für die Zuordnung in einer der Pflegestufen sieht der Gesetzgeber die folgenden Zeitvorgaben vor:
So sehr mich die Darstellung in den Medien oft genug ärgert, weil sie nur die schwarzen Schafe, nicht aber die Herde der gut geführten Wohnheime vorstellt, wundern muss man sich bei diesen Vorgaben nicht, wenn mal wieder von den „menschenunwürdigen Zuständen in den Altenheimen“ die Rede ist. Würden unsere Mitarbeitenden hier nicht mit viel Engagement und noch mehr Entschlossenheit die Zuwendung zu unseren Bewohnern als ihre eigentliche Aufgabe zu ihrer Sache machen, bliebe bei diesen Vorgaben in den Tat wenig Lebensqualität. Das wissen übrigens auch die Angehörigen und zum Glück die Menschen, die einen Heimplatz für ihre Verwandten bei uns suchen. Die seit Jahren sehr gute Belegung und Nachfrage in unseren Altenheimen in Münstermaifeld, Plaidt, Rilchingen und Trier spricht hier für sich.
Mit einer Ausnahme, unser Seniorenzentrum Sankt Josef in Münstermaifeld wird z. Zt. umfangreich modernisiert und umgebaut, sind alle unsere Einrichtungen als erste in Rheinland-Pfalz und dem Saarland nach den internationalen Prüfkriterien der DIN EN ISO 9001:2000 Norm in 2006 zertifiziert worden. Wichtiger als die Bescheinigung, dass wir diese Vorgaben erfüllen, sind die Anregungen und Verbesserungsvorschläge, die wir während der Zertifizierung bekommen haben und umsetzen konnten. Da es mit dieser Zertifizierung alleine nicht getan ist und weitere Überprüfungen regelmäßig stattfinden, können wir diesen Standard auch in Zukunft überprüfen lassen und weiterentwickeln. Selbstverständlich prüft auch bei uns – angemeldet und unangemeldet – der Medizinische Dienst der Krankenkassen sowie die Heimaufsicht des Landes. „Katastrophale Missstände“, von denen jetzt einige Medien sprechen, hat keine MDK- oder sonstige Prüfung in der Vergangenheit in unseren Altenheimen festgestellt, aber natürlich auch aufgezeigt, wie wir uns verbessern können.
Ich hatte schon gesagt, dass man sich nicht über die Höhe der Rechnung wundern darf, die man zahlen muss, wenn man jahrelang an der Pflege gespart hat. Dazu zählt auch die Absenkung des Fachpersonals auf eine Mindestquote von 50% ausgebildete Altenpfleger. Auch sollte niemand ernsthaft glauben, dass mit dem menschenverachtendem „Import“ vermeintlich preiswerter Pflegekräfte aus den osteuropäischen Ländern die Qualität der Pflege steigt.
Aber es geht nicht nur um Geld. Es geht auch darum, wie sich das Wertbewusstsein in unserer Gesellschaft geändert hat, welchen Stellenwert wir heute „Alter“ und „Altsein“ beimessen – Menschen nicht nur werbetechnisch als „best agers“ schätzen sondern für alte, pflegebedürftige Menschen heute genauso das Beste wollen, wie wir es in Zukunft für uns selber wünschen.
Erstens sollte man nicht meinen, dass man mit spektakulären ad hoc Aktionen und populären Forderungen an die Politik die Ursachen für die vom MDS konstatierten Zustände nachhaltig verbessern kann. Das, was wir heute leider zur Kenntnis nehmen müssen, ist die Folge einer langjährigen Entwicklung und einer Politik, die offensichtlich zu lange und zu gerne an die Finanzierbarkeit der Pflege glaubte, als von den Vertretern in den Spitzen- und Wohlfahrtsverbänden schon genau dieses Szenario vorhergesagt wurde. Zweitens müssen die guten Ansätze in der aktuellen Diskussion um die Reform der Pflegeversicherung weitergeführt werden. Wichtige Anregungen haben der Deutsche Caritasverband (DCV) und andere Wohlfahrtsverbände gegeben. Drittens müssen wir uns in der Tat fragen, was jenseits von Politik und Rahmenvorgaben mit unserer Wertekultur passiert ist. Die Aufgabe familiärer Bindungen, das Scheitern von Beziehungen und unsere Unfähigkeit, das Alter zu würdigen, hat sicher auch mit dem Druck zu tun, sich in einer zunehmend komplexen Welt beruflich und privat in immer kürzen Zeiträumen orientieren zu müssen. Und Manchem geht dabei die Orientierung leider verloren. Es ist sicherlich notwendig, wenn wir uns wieder mehr darauf besinnen, was wirklich im und für das Leben zählt.
Weitere Informationen erhalten Sie direkt bei:
Barmherzige Brüder Trier e. V.
Pressestelle
Kardinal-Krementz-Str. 1-5
56073 Koblenz
Telefon: +49 (0)261 496-6464
Telefax: +49 (0)261 496-6470
e-Mail: info@bb-trier.de
Pressesprecher: Martin Fuchs
Sekretariat: Stefanie Kilian