"Krankenhäuser müssen neue Aufgaben übernehmen"

Bild von Caritas-Präsident Peter Neher

Krankenhäuser sollten nach Meinung von Caritas-Präsident Peter Neher eine stärkere Rolle bei der Gesundheitserziehung und der Vorbeugung von Krankheiten übernehmen. Sie sollten nicht nur "Anlaufpunkte in der Krankheit sein", sondern sich stärker als Teil des Gemeinwesens verstehen und sich in einer Kommune beispielsweise durch Aufklärung, Patientenberatung und Vernetzung mit anderen Diensten engagieren, sagte der Präsident des katholischen Wohlfahrtsverbandes am Dienstag, den 9. September in Köln. Als Beispiel nannte er die Zusammenarbeit der Geburtshilfeabteilungen mit familienunterstützenden Diensten vor Ort.
 

Neher äußerte sich bei der Mitgliederversammlung des Katholischen Krankenhausverbandes (KKVD). In Deutschland gibt es rund 2.100 Kliniken; davon sind 470 in katholischer Trägerschaft und damit Mitglied des KKVD.

Der Caritas-Präsident appellierte an die kirchlichen Kliniken, sich auch stärker als Teil der Caritas zu verstehen und Netzwerke mit den übrigen Diensten des Wohlfahrtsverbandes aufzubauen. Über die Zusammenarbeit von kirchlichen Krankenhäusern mit den Sozialstationen, Pflegediensten und Heimen der Caritas könnte eine "gemeinsame Caritas-Qualität" und eine "überzeugende Caritas-Marke" erarbeitet werden.
 

Mit Blick auf die Finanzierung des Gesundheitswesens betonte Neher, es gebe bereits jetzt eine Rationierung notwendiger medizinischer und pflegerischer Leistungen. Zwar bestünden noch Einsparpotenziale durch Abbau von "jeder Menge Über- und Fehlversorgung". Dennoch "kommen wir an der Rationierungsdebatte nicht vorbei, denn aufgrund der Begrenztheit der Ressourcen ist eine dauerhafte Kostensteigerung nicht tragbar", sagte der Caritas-Präsident. Der Wohlfahrtsverband werde klar im Sinn von benachteiligten Menschen Position beziehen.

Neher forderte in diesem Zusammenhang eine Debatte darüber, welche Kosten im Gesundheitswesen als versicherungsfremd anzusehen seien und mittelfristig durch Steuern gedeckt werden sollten.

Bei der KKVD-Versammlung appellierte der Kölner Sozialwissenschaftler Dietrich Engels an die Krankenhäuser, sich auf eine steigende Zahl alter, pflegebedürftiger und dementer Patienten einzustellen. "Während derzeit 70 Prozent der Krankenhauspatienten unter 65 Jahren und 30 Prozent über 65 Jahre alt sind, wird sich diese Relation auf 57 Prozent unter 65-Jährige und 43 Prozent ältere Patienten im Jahr 2030 verschieben", sagte er.
 

Nach Einschätzung von Engels wird damit auch die Überleitung älterer Patienten vom Krankenhaus in ihren Privathaushalt oder eine Pflegeeinrichtung immer wichtiger. Der Stellenwert der Krankenhaus-Sozialdienste als Schnittstelle zwischen Klinik, Angehörigen und sozialen Diensten wie Pflegestützpunkten werde steigen. Sie müssten vermehrt einschätzen, ob eine Rückkehr in den Privathaushalt überhaupt noch in Frage komme und ob Hilfeleistungen wie Kurzzeitpflege oder betreutes Wohnen organisiert werden müssten.
 

Quelle: KNA

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