Barmherzige Brüder von Maria-Hilf in der Schweiz führen Konvente in Luzern zusammen

Die Barmherzigen Brüder von Maria-Hilf verlassen ihre Räumlichkeiten am Standort der psychiatrischen Klinik Zugersee. Sie legen ihre beiden Gemeinschaften Oberwil-Zug und Luzern neu in Luzern zusammen. Der Rückzug hat keinen Einfluss auf den Klinikbetrieb.
Seit 85 Jahren ist die Gemeinschaft der Barmherzigen Brüder von Maria-Hilf Trägerin der Psychiatrischen Klinik Zugersee in Oberwil-Zug. „Deshalb hatten wir grossen Respekt vor diesem Entscheid, er ist uns wirklich nicht leicht gefallen“, sagte Bruder Peter, Generaloberer der Gemeinschaft. Er kam am Freitag extra aus Trier (D) nach Oberwil, um diesen Entscheid persönlich der Öffentlichkeit und dem Personal zu erläutern. 
Generaloberer Bruder Peter Berg erläutert die Gründe für die Verlegung
(v.l.n.r.): Joachim Eder, Bruder Peter Berg, Bruder Robert Zehnder im Gespräch mit den Medien
Warum der Wegzug aus Oberwil?
Der Grund für den Rückzug liegt beim fehlenden Nachwuchs der Ordensgemeinschaft und bei der Überalterung der beiden Konvente (Gemeinschaften) in Luzern und Oberwil. „Vor diesen Realitäten können wir die Augen nicht verschliessen“, sagte Bruder Peter. Eine Brüdergemeinschaft dürfe nicht einfach eine Worthülse sein, sie müsse gelebt werden. Eine religiöse Gemeinschaft braucht laut Bruder Peter eine gewisse  Grösse, damit sie spirituell, diakonisch und organisatorisch Sinn macht. Statt zwei halbe Gemeinschaften werde mit der Zusammenführung in Luzern eine starke Gemeinschaft gebildet.
Bruder Robert Zehnder
Ein schmerzhafter Entscheid
Bruder Robert, Delegierter der Brüder in der Schweiz, bekräftigte aus der Sicht der „Zuger Brüder“, dass der Abschied rational richtig, emotional aber schmerzvoll sei. "Klinik und Brüder, die gehörten hier in Oberwil einfach zusammen, fast schon wie siamesische Zwillinge.“ Allerdings: Auch nach dem Wegzug Ende August werden die Brüder nicht ganz aus dem Bild von Oberwil verschwinden. Sie nutzen die Räumlichkeiten, die sie bewohnt hatten, weiterhin für Konferenzen, Retraiten, Sitzungen und für Ferienaufenthalte.
 
Enge Verbindung mit der Klinik
Die Brüder sind durch den Verein Barmherzige Brüder Zug weiterhin Träger der Klinik und stellen das Grundstück kostenlos zur Verfügung. Sie unterhalten eine enge, partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Kantonen Uri, Schwyz und Zug. Diese haben sich vor 25 Jahren zu einem Konkordat zusammengeschlossen, um gemeinsam
mit der Psychiatrischen Klinik Zugersee die psychiatrische Grundversorgung  sicherzustellen. Das Konkordat hat auch den Um- und Neubau der Klinik subventioniert und leistet Beiträge an den laufenden Betrieb.
 
Der Markt gibt den Takt an
Veränderungen gibt es nicht nur im Orden, sondern auch auf dem Gesundheitsmarkt.
Insbesondere die Neuerungen bei der Spitalfinanzierung, wie sie das revidierte Krankenversicherungsgesetz verlangt, werden laut Bruder Peter nicht spurlos an der
Klinik vorbeigehen. In diesem Sinn will die Brüdergemeinschaft als Trägerin Hand
bieten für eine gute Lösung, um eine erfolgreiche Zukunft für die Klinik zu sichern.
Bruder Peter: „Wir sind froh, diese Fragen mit den Konkordatskantonen Uri, Schwyz
und Zug partnerschaftlich angehen zu können.“
Joachim Eder
Bekenntnis der Kantone zur Klinik
„Wir schätzen die Brüder sehr. Sie haben mit der Klinik ein bleibendes Werk von grossem Nutzen für die öffentliche Gesundheitsversorgung geschaffen. Umso mehr bedauern wir den Wegzug, obwohl wir den Entscheid nachvollziehen können.“ Mit diesen Worten würdigte der Zuger Landammann Joachim Eder in der Funktion als Präsident des Konkordatsrates die Stimmungslage seitens der drei Kantone und der Bevölkerung. Er fügte an: „Für mich waren die Brüder immer glaubwürdige Repräsentanten der Klinik und verlässliche Partner der Kantone.“ Auch Joachim Eder erwähnte die bevorstehenden gesundheitspolitischen und ökonomischen Veränderungen. Er ist zuversichtlich, dass diese Herausforderungen gemeinsam mit den Brüdern gemeistert werden können. Im Zentrum steht dabei, optimale  Voraussetzungen für die Zukunft der Klinik zu schaffen, denn diese werde durch die absehbaren Änderungen in keiner Weise in Frage gestellt. 
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