Den erwarteten neuen Bischof von Trier nicht bloß mit vielen Forderungen bestürmen, sondern ihm ein gut durch-dachtes Handlungspapier an die Hand geben – das wollen die Krankenhausseelsorger und -seelsorgerinnen im Bistum Trier. So war die Jahrestagung der Krankenhausseelsorger am 30. September im Robert-Schuman-Haus Trier keine Vortragsveranstaltung, sondern ein Arbeitstreffen.
In kleinen Gruppen wurden „Positionen, Kriterien und weiterführende Perspektiven zur Praxis ritueller Sterbebegleitung, Krankensalbung und seelsorglicher Rufbereitschaft im Krankenhaus“ ermittelt. Gleichzeitig wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, die die Ergebnisse der Tagung herausarbeiten und zu Papier bringen soll. Im Alltag eines Krankenhauses gibt es für Seelsorger „viele drängende Probleme“, wie eine Teilnehmerin es formulierte. Bewusst habe man jedoch den Schwerpunkt auf ein Thema gelegt: Unter der Überschrift „Wir sind – nicht nur werktags – da“ ging es um die Auswirkungen sinkender Priesterzahlen in Krankenhäusern. Wenn nämlich die Priester fehlen, um die Krankensalbung als häufigste Form der rituellen Begleitung in der Sterbestunde vorzunehmen, wüchsen Druck und Belastung, auch für nicht ordinierte Seelsorger und Priester. Laut Stefan Nober von der Abteilung Pastorale Felder im Bischöflichen Generalvikariat Trier ist die Tagung ein Baustein eines über ein ganzes Jahr laufenden Gesprächsprozesses. Zuvor hatte man sich durch eine schriftliche Befragung über die „Vielfalt der Situationen und Bewertungen im Themenkreis Rituelle Sterbebegleitung – Krankensalbung – Rufbereitschaft“ informiert.
Wie die Krankenhausseelsorge auch in Zukunft in kritischen Situationen da sein können, wenn in der akuten Krise nach seelsorglichem Beistand gerufen wird –dafür wurden vier verschiedene Handlungsszenarien vorgestellt:
- Nicht mehr zu besetzende Priesterstellen werden von nicht ordinierten Seelsorgern besetzt;
- Stärkung nicht-sakramentaler Formen rituellen Handelns bei Rufbereitschaft;
- Beteiligung von Laien und Priestern. Laien übernehmen die Rufbereitschaft für nicht-sakramentale Aufgaben, zum Beispiel die Verabschiedung Verstorbener;
- Kombination priesterlicher Rufbereitschaft in Pfarreien und Krankenhäusern für beide Bereiche mit Ausgleichsregelung. Zu allen vier Szenarien wurden Chancen, Risiken und Nebenwirkungen herausgearbeitet – am Ende konnten sich die meisten am ehesten mit den Punkten eins und zwei anfreunden.
In der abschließenden Reflexion lobten die Krankenhausseelsorger, dass mehrere Lösungen möglich sind, „dass wir nicht alle auf einen Weg müssen“. Der Austausch habe gut getan, denn: „Ich habe viel Angst wahrgenommen, dass die Rolle des Priesters zurückgedrängt wird“, hieß es. Oder: „Uns alle bewegt das Gleiche. Wir sitzen in einem Boot.“ Man erhoffe sich „ganz viel von dem Gesprächsprozess“, denn dieses Boot hat auch ein Ziel: „Seelsorge im Krankenhaus hat eine Leuchtturmfunktion. Kranke müssen sehen: Da ist ein Leuchtturm in einer dunklen Welt.“
Quelle: Pressedienst des Bistums Trier