Interview zur Aus- und Weiterbildung der Ärzte im Brüderkrankenhaus St. Josef Paderborn

Als Lehrkrankenhaus der Georg-August-Universität Göttingen bildet das Brüderkrankenhaus St. Josef Paderborn junge Mediziner aus. Sie sind Ansprechpartnerin für Studentinnen und Studenten im Praktischen Jahr, die sich für eine Ausbildung am Brüderkrankenhaus St. Josef Paderborn interessieren. Was hat Sie selbst motiviert, hier zu arbeiten?

 
IR: Ich bin im 5. Ausbildungsjahr als Assistenzärztin in der Klinik für Innere Medizin. Auch wenn ich mich aus privaten Gründen entschloss, nach Paderborn zu gehen, wollte ich ausgehend von meinen Erfahrungen im PJ in einem christlichen Haus arbeiten.
 
Nach Erfahrungen in sehr großen Einrichtungen stelle ich fest, dass die Hierarchien in einem konfessionell geprägten Haus einfach flacher sind. Durch überschaubare Teams ist der Kontakt zu den Kollegen aus anderen Fachabteilungen intensiver und auch viel persönlicher, man kennt sich und kann viele Dinge auf dem „kleinen Dienstweg“ regeln. Außerdem war mir der ethische Aspekt sehr wichtig. Ich persönlich finde es sehr schön, wenn man in Grenzsituationen, wenn die Prognose der Patienten leider schlecht ist, sagen darf, dass gewisse Dinge nicht in unserer menschlichen Hand liegen, obwohl alles medizinisch Mögliche getan wird. Ich glaube, dass für viele Betroffene das Erkennen der Göttlichen Führung und Fügung in solchen Situationen sehr tröstlich ist.
  
Was erwartet einen jungen Mediziner, wenn er sich für eine Fachausbildung am Brüderkrankenhaus St. Josef entscheidet?
 
IR: Als Student hat man die Möglichkeit eine Zeitlang in der Notaufnahme unseres Hauses mitzuarbeiten. Dort vertieft man seine Kenntnisse der Aufnahme der Patienten, vor allem in Bezug auf die körperliche Untersuchung. Man erlernt die Erstversorgung, welche diagnostischen Maßnahmen zuerst erfolgen oder welche Laborparameter bestimmt werden müssen. Anschließend wird man in der Stationsversorgung eingesetzt. Dort erfolgt eine stationäre Betreuung eigener Patienten unter Anleitung des zuständigen Stationsarztes. Die anfallenden diagnostischen Maßnahmen geschehen gemeinsam mit dem Stationsarzt, so hat man die Gelegenheit, Sonographie zu erlernen und nach Wunsch zu vertiefen.
Als Berufsanfänger nach Examen wird man ebenso nach erster Einarbeitungszeit früh an die diagnostischen Maßnahmen herangeführt. Zuerst kommen die sonographischen Abdomen-Untersuchungen, sowie diagnostische und therapeutische Punktionen (Pleuraerguss, Aszitis und Knochenstanzbiopsien), später Dopplersonographien der Gefäße, Echokardiographien, Spiroergometrien, Bronchoskopien. Das Prinzip, dass man diagnostische Maßnahmen bei eigenen Patienten selber durchführt, wird in der Klinik für Gastroenterologie ebenso umgesetzt: die dort anfallenden endoskopischen Untersuchungen werden zunächst unter fachärztlicher Anleitung selbständig durchgeführt. Dadurch lernt man schneller und praxisorientierter.
In der Klinik für Innere Medizin haben wir außerdem ein besonderes Schichtsystem, es fallen keine 24-Stunden Dienste an. Durch den großen Pool an Assistenzärzten muss man nur einmal in drei Monaten zwei Nächte am Wochenende und fünf Nächte von Sonntag bis Freitag arbeiten. Berufseinsteiger haben sogar drei Monate „Schonfrist“. Meines Wissens sind wir das einzige Haus in der Umgebung, das dieses Dienstmodell umgesetzt hat.
In den chirurgischen Kliniken ist die Basisweiterbildung nach den neuen BDC-Vorgaben im Common Trunk strukturiert.
Bei allem Stress, der im Klinikalltag nicht ausbleibt, ist das Betriebsklima hier sehr herzlich. Nicht überall gehen die Kollegen mittags möglichst gemeinsam zu Tisch oder treten geschlossen zum Betriebsfest an! Auch die geringe Fluktuation zeigt, dass die Zufriedenheit unter den ärztlichen Mitarbeitern sehr hoch ist. Dazu gehört sicher auch, dass in vielen Kliniken Fachkräfte das Codieren und Blutabnehmen übernehmen und damit die Ärzte entlasten.
 
Wie ist die fachliche Ausbildung strukturiert?
 
IR: Ein Curriculum regelt die Inhalte der Ausbildung, doch auf die individuelle Ausgestaltung legen die Chefärzte größten Wert. Ich konnte meine Ausbildung hier ganz an meine Interessen anpassen und mich auf meine Schwerpunkte konzentrieren. Dies ist vor allem durch die enge Vernetzung der dreizehn Fachkliniken unter einem Dach möglich. Auf dem Weg zum Facharzt für Innere Medizin hospitiert man beispielsweise sechs Monate in der Hämatologie und in der Gastroenterologie. Durch das Lungenzentrum und die internistisch und chirurgisch geführte zentrale Aufnahmestation bekommt man weitere Einblicke. Insgesamt erlernen wir hier eine breite Palette an medizinischen Möglichkeiten, die erforderlichen Weiterbildungsermächtigungen liegen vor. Kurzum eine gute Ausbildung!
 
Ihr persönliches Fazit?
 
IR: Letztendlich ist es sicher eine Frage des Typs, ob man sich für eine große Uniklinik oder ein überschaubareres christliches Haus entscheidet. Ich kann nur sagen, dass ich am Brüderkrankenhaus St. Josef Paderborn eine praxisnahe umfassende Ausbildung und einen herzlichen vertrauensvollen Umgang erfahren habe. Eine gute Basis für den Start ins Berufsleben! Allen Interessenten stehe ich gern als Ansprechpartnerin zur Verfügung. Rufen Sie mich an oder schreiben Sie mir.
 

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"Letztendlich ist es sicher eine Frage des Typs, ob man sich für eine große Uniklinik oder ein überschaubareres christliches Haus entscheidet. Ich kann nur sagen, dass ich am Brüderkrankenhaus St. Josef Paderborn eine praxisnahe umfassende Ausbildung und einen herzlichen vertrauensvollen Umgang erfahren habe. Eine gute Basis für den Start ins Berufsleben!"