Pflegeausbildung in der Schweiz

Projektunterricht in der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege

„Pflege in Europa. Vergleich von Pflege und Pflegeausbildung in Deutschland und in der Schweiz“ 
 
Die Erwartungen waren groß. Pflege in der Schweiz: eigenständige Pflege, super Bezahlung, tolle Arbeitsbedingungen, Gleichberechtigung der Pflegenden gegenüber anderen Berufsgruppen, modern ausgestattete Spitäler und Krankenpflegeschulen – pflegerischer Fortschritt en masse!
Um zu überprüfen, ob diese „Gerüchte“ der Wahrheit entsprechen, entschieden wir, der Kurs A/08, uns für das Projektthema: „ Pflege in Europa. Vergleich von Pflege und Pflegeausbildung in Deutschland   und in der Schweiz“.
Nach intensiver Beschäftigung mit dem Thema und zahlreichen organisatorischen Vorbereitungen brachen wir zusammen mit unserer Kursleiterin Frau Fischer am Sonntagvormittag, 17.10.2010, in die Schweiz auf.
Unser Ziel war zunächst Zofingen, wo sich sowohl unsere sehr schöne Jugendherberge als auch das Bezirksspital befanden, in dem wir hospitieren durften. 
     
Montag früh um 06:45 Uhr begann nach einem frühen Frühstück das Programm. Der Kurs teilte sich in zwei Gruppen, die abwechselnd jeweils einen Tag auf Station im Spital Zofingen und einen Tag in der Höheren Fachschule für Gesundheit und Soziales in Aarau verbringen sollten. Ziel war es, sowohl den Krankenhausalltag in einem Schweizer Spital kennen zu lernen, als auch die schweizerischen Ausbildungsbedingungen mit den hiesigen zu vergleichen.
 
Unsere Ansprechpartner in der Schweiz waren Frau Petra Eisele und Frau Susanne Gammeter. Frau Eisele ist Diplom Pflegepädagogin (FH) an der Höheren Fachschule für Gesundheit und Soziales in Aarau. Bereits Wochen im Voraus plante sie mit Frau Fischer unseren Besuch, führte uns vor Ort in der Bildungsinstitution durch den Tag und ermöglichte es uns, an ausgewählten Unterrichtsstunden teilzunehmen.
Die Bildungsbeauftragte im Spital Zofingen, Frau Gammeter, organisierte wiederum unseren Hospitationstag auf den Stationen, stellte uns dort vor und stand uns am Ende des Tages für alle Fragen und zum Austausch der Erfahrungen zur Verfügung. Auch die Pflegedirektorin des Spitals, Frau Caroline de Vries, und der Schulleiter von Aarau, Herr Werner Mathis, ließen es sich nicht nehmen, uns persönlich willkommen zu heißen.
 
Die Ausbildung in der Schweiz findet auf Tertiärniveau statt, das heißt, die Auszubildenden sind nicht „Schüler“, sondern „Studierende“. Der Abschluss ist „Diplomierte Pflegefachfrau / diplomierter Pflegefachmann HF“ wobei die Abkürzung HF für Höhere Fachschule steht. In der Schule konnten wir die modernen Räumlichkeiten und die vorbildliche Ausstattung besichtigen. Besonders beeindruckt haben uns dabei komplett eingerichtete Patienten- und Stationszimmer (die sog. LTT-Unit), in denen die Studierenden im Lernbereich Training und Transfer (LTT) ihre Fähigkeiten an „Simulationspatienten“, das sind Schauspieler, die in verschiedenste Patientenrollen schlüpfen, erproben und unter Videobeobachtung evaluieren können. Auch praktische Modulprüfungen werden so durchgeführt.
Am Hospitationstag hatten wir die Gelegenheit, einen Schultag mitzuerleben. Neu war für uns der Unterricht in Fachenglisch, der die Schweizer Studierenden auf die Arbeit mit englischer Fachliteratur – und natürlich mit englischsprachigen Patienten – vorbereitet. Ferner erlebten wir Problemorientiertes Lernen, eine uns bestens bekannte Methode, die in Aarau aber – anders als bei uns - jede Woche im Stundenplan steht und ein bisschen anders als gewohnt durchgeführt wird. 
 
Im Spital Zofingen wurden wir Schüler zunächst mit der Dienstkleidung versorgt und dann auf die verschiedenen Fachabteilungen eingeteilt. Wir wurden auf allen Stationen sehr offen und freundlich empfangen. Beeindruckend war die moderne und umfassende Ausstattung der Stationen mit Hilfsmitteln und alltäglichem Pflegematerial und z.B. Wundauflagen. Besonders beeindruckt waren wir von Kontaktmatten, die Alarm geben, sobald ein sturzgefährdeter oder desorientierter Patient das Bett verlässt. Durch den höheren Stellenschlüssel haben die Pflegekräfte ausreichend Zeit, sich umfassend ihrem klar umschriebenen Aufgabenbereich selbstverantwortlich zu widmen. Hierzu gehören, anders als bei uns, einige Tätigkeiten, die in Deutschland dem ärztlichen Dienst zugeordnet sind. Beispiele sind die intravenöse Injektion, das Legen von Viggos und das Anhängen von Bluttransfusionen. Die „diplomierte Pflegefachfrau HF“ als Pflegeprozessverantwortliche wird im Pflegealltag unterstützt von „Fachangestellten Gesundheit“, den sogenannten „FaGe s “. 
  
Der Besuch des Nachbarlandes gestaltete sich sehr facettenreich und eindrucksvoll. Wir konnten viele Erfahrungen sammeln, die wir zukünftig in unsere tägliche Arbeit einfließen lassen werden. Durch die Hospitation in der Höheren Fachschule für Gesundheit und Soziales und im Spital Zofingen zeigte sich, dass Pflege und Ausbildung in der Schweiz einen sehr hohen Stellenwert haben, in den viel Geld investiert wird. Eine Investition, die sich ganz sicher lohnt!
Insgesamt ist uns auch aufgefallen, dass dem Pflegepersonal in der Schweiz sehr wertschätzend und respektvoll gegenübergetreten wird. Im Arbeitsalltag wissen alle Berufsgruppen um die gegenseitige fachliche Abhängigkeit, die Vertrauen voraussetzt und sich in einem sehr kollegialen Umgang mit flachen Hierarchien widerspiegelt. Das hohe Ansehen der Pflegenden drückt sich auch in der deutlich höheren finanziellen Vergütung der pflegerischen Arbeit aus. 
 
Alles in Allem lässt sich sagen, dass der „Blick über den pflegerischen Tellerrand“ ein voller Erfolg war. Vielen Dank an das Spital Zofingen, besonders an Frau Gammeter, an die Höhere Fachschule für Gesundheit und Soziales in Aarau, vor allem an Frau Eisele, die sich sogar mit uns in die „Katakomben“ (unterirdisches Tunnelsystem im Kantonsspital Aarau) traute und an unsere Klassenleiterin Frau Fischer, ohne die dieses Projekt gar nicht möglich gewesen wäre.
Außerdem bedanken wir uns herzlich beim Katholischen Klinikum Koblenz, das durch die finanzielle Unterstützung geholfen hat, unsere Pläne in die Realität umzusetzen. 
 
Der Kurs A/08 der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege
 
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Die Jugendherberge Zofingen
Gruppe
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Übungsstation „LTT-Unit“ für den Lernbereich Training und Transfer
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