Bauchspeicheldrüse

Unterthemen dieser Seite:

  •  Erfahrung und Eingriffsspektrum
  • Operative Therapie bei bösartigen Tumoren im Pankreaskopf
  • Operative Therapie bei bösartigen Tumoren im Pankreasschwanz
  • Operative Therapie bei gutartigen Tumoren der Bauchspeicheldrüse
  • Operative Therapie bei Tumoren der Duodenalpapille
  • Operative Therapie bei der chronischen Pankreatitis
  • Operative Therapie bei der akuten Pankreatitis

 

 

Erfahrung und Eingriffsspektrum

Operationen an der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) gehören zu den anspruchsvollsten Eingriffen in der Bauchchirurgie. Durch langjährige Tätigkeit des Chefarztes am Europäischen Pankreaszentrum stellt die Pankreaschirurgie am Gemeinschafts­krankenhaus Bonn einen herausgehobenen Schwerpunkt dar. Bei uns werden sämtliche operativen Verfahren an der Bauchspeicheldrüse angeboten und kommen individuell abgestimmt auf Ihre Erkrankung zur Anwendung (*besondere Organ erhaltende Resektionsverfahren):

  • Magenerhaltende Pankreaskopfresektion (*)
  • Pankreaskopfresektion nach Kausch-Whipple
  • Zwölffingerdarm erhaltende Pankreaskopfresektion nach Beger (*)
  • Zwölffingerdarm erhaltende Pankreaskopfresektion, Berner Modifikation (*)
  • Milz erhaltende Pankreaslinksresektion (*)
  • Pankreaslinksresektion mit Milzentfernung
  • Subtotale Pankreatektomie
  • Totale Duodenopankreatektomie
  • Pankreassegmentresektion (*)
  • Drainageoperation bei chronischer Pankreatitis(*)
  • Tumorenukleation (*)
  • Ampullektomie (*)
  • Pankreas erhaltende Duodenektomie (*)
  • Zystojejunostomie
Die eingehende diagnostische Abklärung vor dem Eingriff erfolgt in enger Zusammenarbeit mit unseren internistischen Kollegen und Radiologen. Die exakte Befundung erfordert Erfahrung, weil oftmals ein bösartiger Tumor zusammen mit einer chronischen Pankreatitis auftritt. Komplexe operative Eingriffe an der Bauchspeicheldrüse sind nur in der Hand eines entsprechend versierten Chirurgen sicher durchführbar. Die Schwierigkeit der Eingriffe liegt einerseits darin, dass der Bauchspeicheldrüse eine Vielzahl großer und wichtiger Gefäße unmittelbar anliegt, andererseits in der anspruchsvollen Anlage der Nahtverbindung zwischen der restlichen Bauchspeicheldrüse und dem Dünndarm (oder Magen). So wissen wir heute, dass das Risiko für schwerwiegende operative Komplikationen nach Pankreaseingriffen mit der Erfahrung des Chirurgen korreliert.

 
 

 

Operative Therapie bei bösartigen Tumoren im Pankreaskopf

Ist der Tumor im Bauchspeicheldrüsenkopf gelegen, muss der Pankreaskopf zusammen mit den benachbarten Lymphknoten, dem gesamten Zwölffingerdarm, einem Großteil des Gallengangs und der Gallenblase als ein zusammenhängender Gewebeblock entfernt werden. In der Regel kann der Magen dabei ganz erhalten werden („pyloruserhaltende Pankreaskopfresektion“). Manchmal macht die Lage und Größe des Tumors allerdings eine zusätzliche Teilentfernung des Magens erforderlich („Pankreaskopfresektion nach Kausch-Whipple“). Durch die enge räumliche Beziehung des Bauchspeicheldrüsenkopfes zu vielen wichtigen Gefäßen im Oberbauch kann der Tumor beispielsweise mit der großen Darmvene verbacken sein oder diese bereits einengen. Auch in einer solchen Situation sind wir in der Lage, das vom Tumor erfasste Gefäßsegment zusammen mit dem Bauchspeichel­drüsenkopf zu entfernen. Anschließend werden die beiden Gefäßenden wieder aneinander genäht oder (bei größerer Distanz) eine Gefäßprothese dazwischen eingesetzt.

 

Grundsätzlich lassen wir noch während der Operation durch einen Schnellschnitt vom Pathologen sicherstellen, dass keine Tumorzellen am Bauchspeicheldrüsen­rest verblieben sind. Sollte der Absetzungsrand nicht tumorfrei sein, kann je nach Situation ein weiterer Bauchspeicheldrüsenanteil entfernt werden. In seltenen Fällen kann dann auch eine vollständige Entfernung der Bauchspeicheldrüse notwendig werden, um Tumorfreiheit zu erzielen. Ein solches Vorgehen versuchen wir natürlich nach Möglichkeit zu vermeiden, weil ein Leben ohne Bauchspeicheldrüse immer eine schwer einstellbare insulinpflichtige Zuckerkrankheit (Diabetes) nach sich zieht.

 

Die Rekonstruktion nach der Tumorentfernung erfolgt, indem die restliche Bauchspeichel­drüse (Körper und Schwanz) durch feine Nähte mit dem Dünndarm verbunden wird. Bei einem weichen, nicht entzündeten Organ ist dieser Schritt mitunter der anspruchsvollste Teil der Operation. Dann müssen noch der restliche Gallengang und der Magenausgang in den Dünndarm eingenäht werden. Alternativ kann der Rest der Bauchspeicheldrüse mit dem Pankreassaft auch in den Magen eingeleitet werden.

 

 

 

Operative Therapie bei bösartigen Tumoren im Pankreasschwanz

Bösartige Tumore in dieser Lokalisation sind seltener als im Kopfbereich und fallen oftmals erst in einem fortgeschrittenen Tumorstadium auf. Das Operationsverfahren der Wahl ist die so genannte „Pankreaslinksresektion“. Hierbei werden der Bauchspeicheldrüsen­körper und -schwanz zusammen mit den benachbarten Lymphknoten und der Milz entfernt. Der Absetzungs­rand am verbleibenden Bauchspeicheldrüsenkopf wird in der Regel durch Naht blind verschlossen oder alternativ mit einer Dünndarmschlinge verbunden.

 

 
 

Operative Therapie bei gutartigen Pankreastumoren

Bestimmte gutartige Tumore der Bauchspeicheldrüse werden operiert, weil sie mit der Zeit zu einem bösartigen Tumor entarten können, Beschwerden verursachen oder trotz eingehender Abklärung nicht eindeutig von einem bösartigen Tumor zu unterscheiden sind. Bei solchen (noch) gutartigen Tumoren kommt in unserer Abteilung eine ganze Palette Organ erhaltender Operationsverfahren individuell zur Anwendung. Zwar ist die Ausdehnung dieser Eingriffe in der Regel weniger radikal als bei bösartigen Tumoren und schont die Restfunktion des Organs mehr. Allerdings sind sie oftmals viel aufwendiger durchzuführen und erfordern eine besondere Erfahrung, so dass sie nur speziell ausgebildeten Pankreaschirurgen vorbehalten bleiben sollten (beispielsweise die „Pankreassegment­resektion“ und „Milz erhaltende Pankreaslinksresektion“).

 

Bei bestimmten gutartigen Tumoren im mittleren Segment der Bauchspeicheldrüse ist es möglich, isoliert nur diesen Abschnitt anstelle einer ausgedehnten Resektion zu entfernen (sogenannte „Pankreas­segmentresektion“). Bei dieser weltweit eher selten durchgeführten Operationstechnik bleibt mehr Pankreasgewebe erhalten und so die Funktion des Restorgans geschont: Das Risiko für das Auftreten von Diabetes und Verdauungsstörungen ist nach dieser Operation nur minimal.

 

Gutartige Hormon produzierende Tumore können unter bestimmten Voraussetzungen lokal aus der Bauchspeicheldrüse auch ausgeschält werden („Enukleation“). Hierbei wird zwar verständlicherweise ein Maximum an gesundem Drüsengewebe erhalten, jedoch bleibt ein Gewebedefekt zurück, aus dem sich mit höherer Wahrscheinlichkeit nach der Operation Bauchspeichelsaft entleert (Pankreasfistel). Die Entscheidung, welchem operativen Verfahren der Vorzug zu geben, bedarf der differenzierten Beurteilung durch einen erfahrenen Pankreaschirurgen. Diese Entscheidung treffen wir gemeinsam mit unseren internistischen Kollegen.

 
 

 

Operative Therapie bei Tumoren der Duodenalpapille

Die Duodenalpapille ist eine lokale Erhabenheit im Zwölffingerdarm, wo Gallengang und Bauchspeicheldrüsengang gemeinsam einmünden. Hier können sich seltene, gutartige Tumore (Adenome) ausbilden, die mit einem erhöhten Risiko in einen Krebs übergehen können. Wenn der Tumor klein und in der Biopsie noch gutartig ist, kann er meist endoskopisch abgetragen werden. Ist dies nicht möglich und ein Krebs ausgeschlossen, kann der Tumor lokal chirurgisch entfernt werden. Hierzu wird der Zwölffingerdarm eröffnet und der gesamte Tumor mit dem gemeinsamen Ausführungsgang von Gallengang und Pankreasgang trichterförmig zur Bauchspeicheldrüse hin ausgeschnitten („Papillenexzision“ oder „Ampullektomie“). Anschließend werden beide Gänge mit feinsten Nähten in die Wand des Zwölffingerdarms neu eingenäht.

 

Bei gutartigen Papillentumoren über 3 cm Größe ist eine vollständige lokale Abtragung nicht mehr sinnvoll möglich. In solchen seltenen Fällen führen wir ein modernes Operationsverfahren durch, bei dem wir durch eine diffizile und sehr aufwendige Präparation den gesamten Zwölffingerdarm von der Bauchspeicheldrüse abtrennen („Pankreas erhaltende Duodenektomie“). Die beiden aus dem Pankreaskopf austretenden Gänge (Gallengang und Pankreasgang) werden anschließend mit feinsten Nähten in eine Dünndarmschlinge wieder eingeleitet. Diese Operationsmethode hat den Vorteil, dass die Bauchspeicheldrüse mit ihrer Stoffwechsel­funktion vollständig erhalten werden kann. Allerdings sollte diese sehr spezielle Technik nur in erfahrenen Zentren zur Anwendung kommen.

 
 

 

Operative Therapie bei der chronischen Pankreatitis

Bei der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) wird das Organ langsam zerstört und zunehmend durch Narbengewebe ersetzt. Die Drüse kann die für die Verdauung wichtigen Fermente und das Insulin nicht mehr in ausreichender Menge herstellen. Typischerweise entstehen wechselnd starke, gürtelförmige, in den Rücken ausstrahlende Oberbauch­schmerzen sowie Verdauungsstörungen mit Blähungen, Durchfällen, Gewichts­verlust und Zuckerkrankheit (Diabetes). In etwa 80 % liegt die Ursache der chronischen Pankreatitis in einem erhöhten Alkoholkonsum, kann aber auch auf Medikamente, Fettstoffwechselstörungen, eine Fehlanlage der Drüsengänge, Autoimmunerkrankung oder auf erbliche Faktoren zurückzuführen sein.

 

Eine Operation bei der chronischen Pankreatitis sollte stets in enger Absprache mit dem Internisten dann in Erwägung gezogen werden, wenn es zu Komplikationen der Entzündung gekommen ist, wie beispielsweise:

  • Schmerzen, die durch stärkste Schmerzmittel nicht beherrscht werden können
  • Einengung des Zwölffinger­darms
  • Verschluss des Gallengangs mit Galleabflussstörung
  • Verschluss des Bauchspeichel­drüsengangs
  • Unklarheit, ob sich hinter der Entzündung ein bösartiger Tumor verbirgt.
Prinzipiell unterscheidet man „drainierende“ von „resezierenden“ Verfahren. Bei den drainierenden Verfahren wird der Bauchspeicheldrüsengang auf ganzer Länge eröffnet und mit einer Dünndarmschlinge, in die sich der Bauchspeicheldrüsensaft hinein entleert, verbunden. Manchmal bilden sich bei der chronischen Pankreatitis Hohlräume, die mit Bauchspeicheldrüsen­saft gefüllt sind (sogenannte Pseudozysten), die, sofern sie nicht spontan abheilen, nach eingehender Diskussion zwischen Internist und Chirurg selektiv mit einer Dünndarm­schlinge verbunden werden können.

 

Bei den resezierenden Verfahren wird der am stärksten betroffene kranke Anteil der Drüse entfernt. Meist ist der Ausgangspunkt der chronischen Pankreatitis im Kopfbereich der Drüse gelegen. Hier wenden wir bevorzugt ein Organ schonendes Resektionsverfahren an, bei dem der Pankreaskopf ausgehöhlt wird und dann eine Dünndarmschlinge derart aufgenäht wird, dass sich der Bauchspeicheldrüsensaft in den Darm entleert („Duodenum erhaltende Pankreaskopfresektion“). Dieses Verfahren ist schont die umliegenden Organe und Strukturen (Magen, Zwölffingerdarm, Gallengang) und mildert gleichzeitig die Symptome und Komplikationen der chronischen Pankreatitis wesentlich.

 

Sollte in selteneren Fällen das Hauptproblem der chronischen Pankreatitis im Schwanzbereich gelegen sein, kann eine Entfernung des Pankreasschwanzes sinnvoll sein. Dieser Eingriff wird die idealerweise unter Schonung der Milz durchgeführt („Milz erhaltende Pankreaslinks­resektion“). Der Absetzungsrand der Bauchspeicheldrüse wird in solchen Fällen in der Regel mit einer Dünndarmschlinge vernäht.

 

 
 

Operative Therapie bei der akuten Pankreatitis

Die akute Pankreatitis ist eine ernste Erkrankung, auch wenn sie in 85 % nur milde ausgeprägt ist (akute ödematöse Pankreatitis). In 15 % nimmt sie jedoch einen sehr schweren verlauf mit einem unter Umständen lebensbedrohlichen Krankheitsbild (akute nekrotisierende Pankreatitis). Bei der nekrotisierenden Pankreatitis ist die Organdurch­blutung gestört und aggressive Pankreassekrete treten aus, so dass sich die Drüse selbst verdaut und das Gewebe abstirbt. Die Folge ist, je nach Ausmaß der Zerstörung, ein entsprechender Funktionsverlust der Drüse, unter Umständen begleitet von einem Organversagen der Nieren und Lungen, so dass eine Behandlung auf der Intensivstation erforderlich wird. In über 90 % der Fälle sind Alkoholkonsum und ein eingeklemmter Gallengangsstein die Ursache der Erkrankung.

 

Die Therapie der Wahl bei akuter Pankreatitis ist konservativ-internistisch mit künstlicher Ernährung und Überwachung der Organfunktionen. Selten kommt es bei der schweren Verlaufsform dazu, dass sich in dem abgestorbenen Gewebe Bakterien oder Pilze festsetzen. In einem solch lebensbedrohlichen Zustand muss das zerstörte, infizierte Gewebe behutsam operativ abgetragen werden. In die verbleibenden Hohlräume werden mehrere Drainagen eingelegt, über die nach der Operation weiter gespült und so die Region gesäubert wird. Unter diesen Maßnahmen können solche Gewebedefekte durch Narbengewebe geschlossen werden und folgenlos abheilen. Es kann sich aber auch fortgesetzt Sekret aus dem Restorgan nach außen zur Bauchdecke entleeren (Pankreasfistel), ein Flüssigkeitsverhalt oder ein Abszess ausbilden. In diesen Fällen beratschlagen wir zusammen mit Internisten und Radiologen über die weitere Therapie.